K · R · I · T · I · K · E · N      -     A · R· T· I · K· E· L

 

ORF Ö1,  Johannes Leopold Mayer, Februar 2008

Die Wiederentdeckung eines Virtuosen


Ein Komponist zwischen Klassik und Romantik
Hinterhuber spielt Hummel

Johann Nepomuk Hummel, als siebenjähriges Wunderkind von Mozart als Schüler angenommen, auf Wunsch Haydns nach dessen Pensionierung Konzertmeister des etsrházyschen Orchesters in Eisenstadt, zuletzt Hofkapellmeister in Weimar und als solcher Vorgänger Franz Liszts, ist ein Komponist, dessen ungeheurer Ruhm rasch verblasste und der deshalb auch in der Musikgeschichtsschreibung eher nebenbei und vor allem im Zusammenhang mit Mozart, Haydn und Liszt erwähnt wird.

Musik (c) Nancy Horowitz
Christopher Hinterhubers Aufnahme mit Werken von Hummel wurde als "Editor's Choice" des aktuellen englischen "Gramophone"-Magazins ausgewählt.


Musik, die vieles bietet
In der Tat ist es schwierig, Hummel seinen Platz zuzuweisen, denn seine Musik ist unbestritten von hoher Qualität - aber eben doch nicht von höchster - und seine stilistische Position ist die eines "nicht mehr" und "noch nicht". Seine Lehrer "hört" man ihm gewissermaßen stets über die Schulter schauen, trotzdem ist vielfach ein anderer, durchaus "unklassischer" Ton zu vernehmen.


Hummels Musik verleugnet es auch nicht, dass sie oftmals den Anspruch hat, zu unterhalten. In Wien wurde seine Fähigkeit hochgeschätzt, aus dem Stegreif Walzer zu improvisieren und so geselligen Runden Gelegenheit zum Tanzen zu geben. Andererseits galt er als großer Meister des strengen Kontrapunktes. Letztendlich trifft auf ihn die goethesche Forderung zu: "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen."


Die Ausdruckskraft der Virtuosität

Hummel war nicht nur ein Komponist von Graden, sondern auch ein höchst innovativer Pianist. Seine Klaviermusik stellt daher hohe Anforderungen an die Interpretierenden. Aber: Virtuosität ist bei ihm durchaus nicht Selbstzweck oder Mittel eitler Selbstdarstellung. Die Schwierigkeiten der gestellten Aufgaben sind immer bezogen auf den Inhalt des Stückes.

Ein Beispiel gibt die von Christopher Hinterhuber eingespielte große Phantasie "Oberons Zauberhorn". Ausgehend von einem Motiv aus Webers letzter Oper rund um den Ritter Huon und seine Geliebte Rezia, die nur durch die oftmalige Anwendung eben dieses ihnen vom Elfenkönig Oberon geschenkten Zauberhornes letztendlich doch zusammenkommen, entwickelt Hummel eine prachtvolle Abfolge romantischer Tongemälde - und Sujets wie "Sturm auf dem Meer" oder "Die Freude über den Sieg der Liebe" bedürfen durchaus auch der virtuosen Übersteigerung, die hier sinnfällig das "Bedrohliche" oder das "Überschwängliche" der dargestellten Szene hörbar machen.

Der junge österreichische Pianist lässt hören, dass er zu dieser Art der Virtuosität und auch zu dieser praeromantischen Ausdruckswelt ein intensives inneres Verhältnis hat - und auch das technische Vermögen, die großen technischen Herausforderungen sicher zu meistern.

Link: http://oe1.orf.at/highlights/116288.html

 

Österreichische Musikzeitschrift 2/2008 (Peter Cossé)

...von variabler Expressivität mit hohem Unterhaltungswert... solche Merkmale, ja Vorzüge darf man auch für die in letzter Zeit stärker beachteten Werke Johann Nepomuk Hummels namhaft machen. Zu danken ist ein Naxos-Projekt dem Pianisten Christopher Hinterhuber mit Konzertstücken im assoziativ-bildhaften Stil (Oberons Zauberhorn!) und nach den Rezepten glitzernder, geschmeidiger Variationsverfahren in Nachbarschaft zu ähnlichen Themenstellungen wie sie beim frühen Chopin, bei Mendelssohn oder auch bei Weber zu beobachten sind.

 

 

Märkische Oderzeitung, Frankfurt (Oder)

12. Februar 2008 ( Peter Buske)

Leidenschaftlicher Gestalter am Steinway

Einspringer sind oft für Überraschungen gut. Dafür sorgte zweifellos auch Christopher Hinterhuber, ein Vertreter der jungen österreichischen Pianistengeneration, der am Sonntag für den erkrankten Till Alexander Körber am Steinway im Kammermusiksaal der Konzerthalle Platz genommen hatte. Das vorgesehene Programm mit polnischer Klaviermusik reduzierte sich dabei auf die 12 Etüden Op.25 von Frederyk Chopin den Werke von Maurice Ravel, Franz Liszt und Johann Sebastion Bach vorangestellt waren.

Voller Eifer, mit kraftvollem Anschlag nahm sich Hinterhuber der Bachschen Partita II an. Um die Geheimnisse der Tanzsätze zu ergründen, schien er geradezu in die Klaviatur hineinzukriechen. In ihnen erblickte er höchst eigenständige Stücke von ausgeprägtem Charakter. Ohne Hemmungen verwendete er das Rubato (winzige Tempoverschiebungen) um dadurch seine intensiven Ausdrucksambitionen noch verstärken zu können. Bei Ravels konturenklaren Jeux d'eau liess der Pianist das Nass auf den Tasten gleichsam spritzen, sprudeln, perlen, rauschen, ja sich gischtig versprühen. Eine klangmalerische Vergnüglichkeit sondergleichen, der sich fast nahtlos die Lisztsche Legende Nr.2 vom heiligen Francesco di Paolo anschloss, von dem es hiess, dass er auf seinem Mantel stehend, die Meerenge von Messina überquert haben soll.

Im vollgriffigen Klaviersatz brandeten immer wieder Wogen von Tremoli, Arpeggien und donnernden Oktaven an, die Hinterhuber mit kraftstrotzender Bravour entfesselte.

Als leidenschaftlicher Gestalter erwies er sich auch im abschliessend vorgetragenen Chopinschen Etüden-Zyklus, deren Poesie er mit leichtem und perlenden Anschlag sehr elegant feinsinnig und nuanciert ausforschte. Mit pianistischer Bravour, mit der er sowohl federleicht als auch kraftvoll zulangen konnte und gestalterischem Tiefgang entstanden so sehr markante Stimmungs-und Charakterbilder, die das Publikum zu anhaltendem Beifall hinriss.

 

CD-Tipp: Konzertstücke von Hummel - Oberon spielt Klavier
(Münsterländische Volkszeitung)





Johann Nepomuk Hummel – das ist doch dieser Mozart-Schüler und Beethoven-Spezi, der ein paar hübsche Konzerte und Sonaten im spätklassischen Stil geschrieben hat . . .
Ein gängiges Klischee. Wer ihm vertraut, dürfte bei dieser Neuerscheinung verblüfft die Ohren spitzen. Es sind vier Werke für Klavier und Orchester, die der Meister in seinen späten Jahren schrieb, echte Entdeckungen aus dem Verlag Artaria. Entstanden sind sie um 1830, als Hummel als einer der berühmtesten Pianisten Europas durch die Konzertsäle zog und dafür neue Musik aus eigener Feder benötigte.

Während sich andere Virtuosen nur belangloses Geklingel in die Finger schrieben, komponierte Hummel am Puls der Zeit: Moderne Programmmusik mit tückisch schwerem Klavierpart und ausgefeiltem Orchestersatz.

Das Titelstück verdient die Krone: „Oberons Zauberhorn“ ist eine Fantasie über Themen aus Webers Oper „Oberon“ – aber nicht etwa ein Potpourri, sondern eine Art symphonischer Dichtung mit Klavier nach dem Vorbild von Webers Konzertstück. Christopher Hinterhuber spielt es mit jener feurigen Geläufigkeit, die diese überschwängliche Musik verdient.

Johann Nepomuk Hummel: Oberons Zauberhorn und weitere Werke für Klavier und Orchester. Christopher Hinterhuber (Klavier), Gävle Symphony Orchestra, Uwe Grodd. CD Naxos 8.557845

 

 

Feb. 2008

Der Standard, 5.Februar 2008
(Heidemarie Klabacher)

Spirituelle Symphonik

Salzburg – "De profundis", aus der Tiefe – aus den tiefsten Registern des Akkordeons – holte Sofia Gubaidulina bereits 1978 ihre Bilder von Seelenqual und Schmerz, aber auch von Hoffnung und Erlösung. Und: Teodoro Anzellotti ließ dies alles auf der Bajan (eine Art Knopfharmonika) im "Nachtkonzert" erahnen.

Dunkelheit, aber auch strahlende Helligkeit, ja jazzig swingende Heiterkeit vermittelten die sieben "Visions de l’ Amen" für zwei Klaviere von Olivier Messiaen: Marino Formenti und Christopher Hinterhuber verdankt die Mozartwoche mit dieser virtuosen und dabei doch ganz auf das Werk und nicht auf Effekt konzentrierten Wiedergabe einen Höhepunkt.


Salzburger Nachrichten, 4.Februar 2008
(Karl Harb)

Mozartwoche - Nächtliche Sternstunde
Der erstmalige Versuch eines „Nachtkonzerts“ bei der Salzburger
Mozartwoche wurde am Freitag – nach einer intensiven Begegnung des Hagen
Quartetts mit Werken von Mozart, Webern und dem spröd-schönen,
sperrig-konzentrierten 2. Streichquartett von Jörg Widmann – von einer
erstaunlichen Zahl an Zuhörern im Mozarteum angenommen. Man spürte förmlich,
dass hier Musik nicht nach den Kategorien des „Schönen“ konsumiert, sondern mit-und
nacherlebt wurde.
Nach Stiftungsart der „Dialoge“ verschränkten sich in etwa 70 Minuten Musik von
Sofia Gubaidulina für spielendes, atmendes, plastisch klangagierendes Akkordeon
(von Teodoro Anzellotti mit allen Finessen und Schikanen gespielt) und Olivier
Messiaens „Visions de l´amen“ für zwei Klaviere zu einem spirituellen Mahlstrom
von enormer Kraft.
Mit nie erlahmender, im buchstäblichen Sinn „schlagkräftiger“ Energie durchmaßen
Christopher Hinterhuber und Marino Formenti die sieben Betrachtungen Messiaen
von der Allgegenwart Gottes in der Schöpfung, vom Todeskampf Jesu, vom Bitten
und Beten, von der Sehnsucht, der Erfüllung im Paradies, dem Loblied der Engel,
Heiligen und Vögel bis zum Jüngsten Gericht. Man durfte als Hörer eintauchen in
eine gewaltige Aura von Klängen in Kaskaden, Flächen, Akkorden, die von den
sagenhaft präsenten Interpreten jederzeit so kontrolliert wie
ekstatisch eingefangen
wurden. 
Raum und Zeit schienen sich aufzuheben in diesem – auch schmerzlichen –
Lobpreis zwischen kreatürlicher Existenz und transzendentaler Überhöhung, die in
einer schier grenzenlos jubelnden „Erfüllung“ gipfelt: Zwei Klaviere werden eine
„Orgel“.
Anders als perfekt dargestellt kann man diese Wirbel der pianistischen Entäußerung
nicht nennen, ein Maßstab der rein handwerklichen Bewältigung einer Materie, die
weit über das bloß „Klavieristische“ oder die zwanzig Finger, die den Pianisten
physisch zur Verfügung stehen, hinausragt, mithin auch ein Maßstab der
Interpretation, der nicht nur mitten in dieser speziellen „Nacht“ als „Sternstunde“
bezeichnet werden darf.

 

Editor's Choice, Gramophone, Februar 2008

"Editor's Choice" im Gramophone Magazin! Ich freue mich über diese Auszeichnung als Spiegel meiner Arbeit und persönlichen Begeisterung für diese fantasievollen Werke von Hummel. Lesen Sie mehr (englisch)...

 

 

One to watch  -  Gramophone Portrait, Dezember 2007

Hier finden Sie das schöne Resultat eines stilvollen Fotoshootings in London.

Lesen Sie mehr (englisch)...

 

 

 

Kleine Zeitung Klagenfurt, 29.November 2007
(Helmut Christian)

Umjubeltes Comeback bei der Jeunesse


Das KSO überzeugte mit Christopher Hinterhuber

Es war ein höchst erfreuliches Wiedersehen mit Christopher Hinterhuber. Erfreulich deshalb, weil der junge Friesacher, der mit seiner Klavierausbildung am hiesigen Landeskonservatorium begann, bevor er in Wien weiterstudierte, derzeit international eine große Karriere macht.
Leichtigkeit und Sensibilität. Erfreulich auch, weil sein Spiel, das man erstmalig im Jahr 1989 genau in diesem Saal des Klagenfurter Konzerthauses, ebenfalls im Rahmen des Jeunesse, erlebte, mittlerweile noch ausdrucksstärker und interpretatorisch reifer geworden ist. Mit virtuoser Leichtigkeit und klanglicher Sensibilität musizierte er das hin und wieder an Filmmusik (für die der italienische Komponist ja berühmt wurde) erinnernde, hübsche, raffiniert angelegte 1. Klavierkonzert von Nino Rota. Mit einem Stück von Eric Satie bedankte sich Hinterhuber für den jubelnden Applaus.
Feine Eleganz Nicht nur kürzlich mit der Richard Strauss-Oper "Ariadne auf Naxos" am Stadttheater Klagenfurt, sondern jetzt auch am Konzertpodium fiel der Einstand von Peter Marschik glänzend aus. Mit großer Sensibilität, exakten Gesten und feiner Eleganz gelang dem neuen Musikchef beim Kärntner Sinfonieorchester eine immer aufregende, akzentreiche, klanglich ausgewogene, recht durchsichtige, hochkonzentrierte Interpretation mit farbigen Streichern und präzisen Bläsern. Und das sowohl bei den, das Meer aufpeitschenden "Four Sea Interludes" aus der Oper "Peter Grimes" als auch bei Ludwig van Beethovens populärer Symphonie "Eroica".

 

 

Classical Lost and Found (CLOFO.com)

(Bob McQuiston) October 10 2007

Ferdinand Pno Concs Cpte V2 (op 55, etc); Hinterhuber/Grodd/Gavle SO [Naxos]

Naxos' ongoing series devoted to the complete piano concertos of Ferdinand Ries (1784-1838) continues with this recently released second volume. The program begins with two of his shorter, occasional pieces for piano and orchestra, the Swedish National Airs with Variations (1811) and the Introduction and Polonaise (1833). While the earlier work is notable for the wealth of Swedish folk material incorporated into it, its dramatic opening owes a great debt to Beethoven. This is understandable considering Ries was a close friend and student of his. But the real surprise comes a few minutes in, where there are passages which may remind you of Frederic Chopin. This is even more astounding when you consider it predates anything the great Polish pianist-composer ever wrote. Oddly enough, there's much less evidence of any Chopin connection as far as the later Introduction and Polonaise is concerned despite the fact that it's based on a Polish dance and was contemporary with Frederic's earlier compositions. You may even find yourself double-checking the track listings to make sure these two selections appear in the right order. In any case, both works are brilliant pianistic showcases that provide the soloist with plenty of opportunities for dazzling displays of digital dexterity. The disc is filled out with another of the eight Ries piano concertos. The one included here is in C sharp minor and probably dates from around the same time as the Swedish variations. Unfortunately, the album notes, like those for the first volume, are totally confusing as to the order of its composition with respect to the other seven concertos. But no matter, because you'll find it's easily on a par with the two that appeared previously (see the newsletter of 16 January 2006). Once more the influence of Beethoven is very evident. However, there's a melodic suppleness and warmth here that make it a unique Ries creation, and again anticipate what would come from Chopin. This is particularly true of the closing rondo, whose main theme is similar in spirit to Frederic's Rondo a la Krakowiak (1828). Do you suppose both composers were mining the same vein of Polish folk music? As with their previous disc for Naxos, pianist Christopher Hinterhuber and conductor Uwe Grodd couldn't be better advocates for this unjustly neglected music. The performances by the Gavle Symphony Orchestra are every bit as good as those by the New Zealand Symphony Orchestra on the first CD. The recorded sound is quite striking, with only a slight hint of digital graininess in some of the more complex piano passages. In short, this is a package of Ries's pieces that's pretty hard to resist!

Klassik.com, Magazin, 23.Oktober 2007
(Michael Loos)

Ferdinand Ries, Klavierkonzert cis-moll Op.55  - Naxos Serie


Oft ist es der Ehrgeiz eines Schülers, den Lehrer zu überflügeln – die Musikgeschichte stellt am Ende (bisweilen zu Unrecht) stets den einen über den anderen (oder umgekehrt). Selten dürfte das Urteil dabei so eindeutig ausfallen wie bei Ferdinand Ries (1784 – 1838), der Kompositionsschüler Ludwig van Beethovens war. Kein Wunder, wenn Ries´ Schaffen lange Zeit allzu einseitig nur unter diesem Gesichtspunkt betrachtet wurde. In vielen Bereichen orientierte er sich tatsächlich an seinem übermächtig wirkenden Lehrer, so widmete er sich intensiv der Komposition von Klavierkonzerten, die er wie Beethoven in  Doppelfunktion als Tondichter und Pianist präsentieren konnte. Andererseits wusste Ries der Gattung auch neue Aspekte abzugewinnen, die unverkennbar in Richtung Romantik weisen, hierin Johann Nepomuk Hummel vergleichbar. Dies wird am Konzert op. 55 deutlich, das Christopher Hinterhuber und das Symphonieorchester Gävle unter der Leitung von Uwe Grodd auf dieser CD vorstellen. Es handelt sich um Folge zwei einer Reihe mit allen Werken für Klavier und Orchester aus der Feder des Beethoven-Schülers. Neben dem Konzert erklingen die Stücke ‚Introduktion und Polonaise‘ op. 174 und die ‚Schwedischen Nationalweisen mit Variationen‘ op. 52 – letzteres Werk wird vom schwedischen Orchester gewiss mit viel Elan vorgetragen.
In diesem netten, leider auch etwas oberflächlichen Werk zeigt sich Ries zunächst deutlich von Beethoven inspiriert: Tuttischlägen des Orchesters folgt eine ausgedehnte Klavierkadenz, ganz wie im fünften Konzert des Lehrers. Im weiteren Verlauf vermeidet Ries dann aber das typische Beethoven-Pathos, und es gereicht Hinterhuber und Grodd zur Ehre, dass sie eine entsprechend entspannte Interpretation an den Tag legen. Keine Passage wird zu sehr mit Bedeutung aufgeladen, die Variationen werden gefällig vorgetragen. Eine hörenswerte Abwechslung zwischen Beethoven und Chopin, ohne freilich an deren Bedeutung heranzureichen – übrigens auch in der ‚Introduktion und Polonaise‘, wo technisch etwas mehr vom Pianisten gefordert wird. Hinterhuber verfügt in beiden Werken nicht nur über eine sichere melodische Balance, mit der er die eine oder andere Trivialität der Kompositionen geschickt kaschieren kann, sondern auch über kommunikative Fähigkeiten, um schöne Orchesterpassagen – etwa die Hörner in op. 174 – angemessen am Geschehen teilhaben zu lassen. Wer nicht gerade höchste Ansprüche stellt, wird an diesen beiden Stücke Gefallen finden. Im Konzert op. 55 präsentiert sich Ries kühner und tiefgründiger, auch erfährt das Orchester hier eine Aufwertung: Gerade im Kopfsatz passiert viel jenseits der reinen Begleitung, die den Orchesterpart der anderen beiden Werke über weite Strecken prägte. Lediglich das finale Rondo ist Ries etwas zu ausführlich geraten. Hinterhuber brilliert auch hier mit den erwähnten Tugenden, sein Spiel bleibt selbst bei vollgriffigen Passagen stets klar und transparent. Grodd und das Orchester aus Gävle begleiten so versiert, dass am Erfolg der Interpretation keine Zweifel bestehen. Mit solchem Engagement vorgetragen, dürfte Ries´ op. 55 auch im Konzertsaal zünden – nicht gerade statt Beethoven aber zumindest gelegentlich neben ihm.
Die beiden anderen Stücke sind zwar nett anzuhören, aber bisweilen doch etwas schematisch – der Virtuose Ries ging hier dem Komponisten Ries durch. Christopher Hinterhuber jedenfalls, so viel steht fest, präsentiert die drei Werke mit pianistischer Exzellenz, die keinen Vergleich zu scheuen braucht. Auch betreffs der Klangbalance zwischen Solo und Orchester bleiben bei dieser Einspielung keine Wünsche offen.

 

Generalanzeiger Bonn, 13.August 2007
(Guido Krawinkel)

Nicht ganz ausverkauft war der Klavierabend von Christopher Hinterhuber in Schloss Augustusburg, und das obwohl die Vorschusslorbeeren, die dem Österreicher in Form von stellenweise geradezu hymnischen Kritiken - beispielsweise zu seiner Einspielung mit Werken von C.P.E. Bach - vorauseilen, kaum noch zu übertreffen sind.
Nun ist es mit Vorschusslorbeeren zwar immer so eine Sache, schließlich schrauben sie gerade in Form von Tonträgern die Erwartungen oft unmenschlich hoch, doch im Falle Hinterhubers kam man nicht umhin zu konstatieren, dass zweifellos etwas dran ist an diesen Lobeshymnen.
Sein Spiel zeichnete sich durch eine Klarheit und Empfindsamkeit aus, die ihn gerade für Musik wie die C.P.E Bachs, von dem er als Zugabe ein schlichtes aber ausgesprochen anrührendes Rondo spielte, Joseph Haydns oder Franz Schuberts geradezu prädestiniert erscheinen lassen. Seine Lesart der As-Dur Sonate (Hob. XVI: 46) überzeugte jedenfalls durch einen unprätentiösen und gleichzeitig doch sehr tiefsinnigen Stil.
An vordergründigen Spaßeffekten, die diese Sonate freilich auch kaum bietet, schien Hinterhuber jedenfalls weniger gelegen als vielmehr an einer zwar nicht grüblerischen, aber doch ebenso nachdenklichen wie stellenweise auch sinnlichen Darstellung.
Das kam vor allem im zauberhaften zweiten Satz zum Tragen. Auch Haydns kunstvolles Capriccio über "Acht Sauschneider müssen seyn" dient ihm nicht zur Zurschaustellung humoristischer Effekte, sondern war eine Demonstration eines höchst kultivierten Klavierspiels, das die komische Seite dieser Musik bestenfalls in subtil sublimierter Form offenbarte.
Ein wenig mehr in die pianistische Trickkiste konnte Hinterhuber in der Fantasie op. 109 nach Schillers Gedicht "Resignation" von Ferdinand Ries greifen. Die emotionalen Wirrungen, die Schiller hier in bedeutsame Worte gefasst hat wurden von dem Beethoven-Schüler und Privatsekretär, der wie dieser im Übrigen auch in Bonn geboren wurde, fast zeilengetreu in Noten übersetzt.
Hinterhuber machte sich nicht nur auf die Suche nach dem lyrischen und dramatischen Gestus dieser Musik, er förderte mit seinem leidenschaftlichen Spiel auch ein zutiefst eindringliches Opus zu Tage.
Nach der Pause gab es dann mit Schuberts fast vierzigminütiger Gasteiner Sonate (D 850) einen veritablen dicken Brocken, der in Hinterhubers Händen aber zu einer ungemein spannenden und geradezu kurzweiligen Angelegenheit geriet.
Der schier nicht enden wollende zweite Satz war von einer geradezu fesselnden Magie, und das Scherzo zeichnete sich durch die gelöste Heiterkeit eines urigen Ländlers aus
.

 

Kölner Stadtanzeiger , 13.August 2007
(Jan Rossbach)

Joseph Haydn im Mittelpunkt

Beim zweiten Festkonzert überzeugt der österreichische Pianist durch feinsinniges und virtuoses Spiel.

Wie schon im letzten Jahr so widmen sich auch die diesjährigen Brühler Schlosskonzerte insbesondere Joseph Haydn, dem vielleicht unbekanntesten aller bekannten Komponisten. Immer noch haftet diesem großen Künstler ein wenig das Image des volkstümlich naiven Musikers an, dessen Werk zwar geschätzt aber gleichzeitig auch ein wenig übergangen wird. Der Klavierabend mit dem gebürtigen Klagenfurter Christopher Hinterhuber, dessen Aufnahmen der Klaviersonaten von C.P.E. Bach hervorragende Kritiken erlangten, bot erneut Gelegenheit, die Welt Haydns und die seiner Nachfahren zu entdecken.

Das Programm begann mit der Sonate As-Dur Hob. XVI:46, ein Werk, welches die heitere Frische Haydns ebenso widerspiegelt wie die unter der Oberfläche liegende Spannung. Hinterhuber gestaltete die Musik natürlich und selbstverständlich ohne jede Künstlichkeit. Er wusste den effektvollen Anfangssatz mit all seinen verschmitzen Einfällen und Kuriositäten ebenso auszuloten wie den tiefsinnigen Mittelsatz, der Haydn von seiner nachdenklichen Seite zeigt.

Hinterhuber tauchte tief in diese Musik ein, beugte sich ganz nah an die Klaviatur heran und verlieh seinem Spiel so noch mehr Kontur. In dem kurzen Schlusssatz, einem vorbeihuschenden Presto, verhallte manch ein funkelnder Spitzenton in den Weiten des Schlosses, was hier und da einen etwas verwaschenen Eindruck hinterließ. Doch das konnte den Gesamteindruck kaum beeinträchtigen.

Nach der Sonate folgte das Capriccio G-Dur mit dem Beinamen „Acht Sauschneider müssen seyn“, ein launiges und skurriles Klaviergebilde, in dem Haydn wie aus dem Stegreif ein beliebtes Volkslied persifliert. Hinterhuber gestaltete die Musik so wie sie gemeint ist, wie einen humorvollen Einfall ohne jede Schwere. Vor der Pause folgte die Fantasie op. 109 von Ferdinand Ries, der schon zu Lebzeiten im Schatten Beethovens stand und dessen Werk sich bis heute nicht daraus befreien konnte.

Ries bezieht sich in dieser Fantasie auf Schillers Gedicht „Resignation“. Das virtuos angelegte Werk zeigte einen individuellen Stil, dem sich Hinterhuber mit Souveränität und Ausdrucksvielfalt näherte. Nach der Pause folgte die große „Gasteiner Sonate“ in D-Dur D 850 von Franz Schubert. Das Zentrum dieses komplexen Werkes ist sicherlich der ausschweifende zweite Satz „Con moto“, den Hinterhuber ebenso mit Weitblick wie mit Detailgenauigkeit anging.

Die drängenden Ausbrüche gelangen ebenso wie die träumerische Liedhaftigkeit, wie sie nur bei Schubert zu finden ist. Im Schlusssatz, einem graziösen Rondo, war das Erbe Haydns deutlich hörbar und der Bogen zum Anfang gespannt. Die verspielte Leichtigkeit dieses letzten Satzes, der wie im Nichts verklingt, zog den Schlussstrich unter einen spannenden Klavierabend. Hinterhuber bedankte sich beim begeisterten Publikum mit einem Rondo von Carl Philipp Emmanuel Bach.

 

The Times, London, 24.Mai 2007
(Geoff Brown)

Naxos Live at Wigmore Hall

...Relief instead came with the young Austrian Christopher
Hinterhuber. This man knew how to flex the pedals. He dappled
the sounds. In his hands, Ferdinand Ries’s Fantasy after
Schiller’s poem Resignation offered fewer fireworks than the
composer no doubt intended, but there was subtlety here, and a
fine musician.

 

Die Presse, Wien, 18.Mai 2007
(Wilhelm Sinkovicz)


Wenn die Musik von Béla Bartók heuer im Zentrum des Programms des Konzerthaus Musikfestes steht, dann erinnert das an die Uridee der Wiener Festwochen, wie sie von Egon Seefehlner formuliert wurde. Der Weg der Heimholung der Musik des 20. Jahrhunderts war steinig. Doch kann heute ein Gastorchester wie zuletzt die New Yorker Philharmoniker seine Programmfolge mit Bartók schließen, ohne dass auch nur ein Zuschauer den Saal vorher verlässt. Dergleichen war noch vor gar nicht langer Zeit keineswegs selbstverständlich.
Das RSO Wien und sein Chefdirigent Bertrand de Billy gingen jüngst noch einen Schritt weiter. Sie präsentierten ausschließlich Musik des vergangenen Jahrhunderts und wählten die jüngste Komposition als Finale. Mit Henri Dutilleux' „Métaboles“ demonstrierten die Musiker tatsächlich ihre Virtuosität im Umgang mit kühnen Farbschichtungen und verschlungenen Linien. Die Lust am Aufspüren von klanglichen Verwandtschaften überträgt sich in einer solch animierten Aufführung durchaus auf den Hörer und macht das exzellente Werk eines großen Zeitgenossen zum effektvollen Schlussstück eines insgesamt spannenden Programms. De Billy präsentierte zuvor Debussys „Nocturnes“ als keineswegs impressionistisch verschwimmende Klangbilder, sondern klar gegliederte, wenn auch von stetig faszinierend changierenden Farbvaleurs geprägte Kompositionen, denen die Damen der Singakademie zuletzt die legendären Sirenentöne zu verleihen suchten. Das ließ vor allem erkennen, dass der Komponist seinen Interpreten hier beinah unlösbare Aufgaben in Sachen behutsamer Tongebung gestellt hat.
Manuel de Fallas stimmungsvolle „Nächte in spanischen Gärten“ dominierten den ersten Programmteil: Christopher Hinterhuber harmonierte mit dem RSO perfekt und bewies sensibel, dass ein Klavierkonzert auch zum Spiel gleichberechtigter Partner werden kann. Bemerkenswert Honeggers „Pacific 231“ zu Beginn: De Billy macht aus dem Vorzeigestück modernen FormDenkens keine brutale Maschinenorgie, sondern lässt den Zug noch bei Erreichen der Höchstgeschwindigkeit geradezu elegantschnittig
durch die Nacht brausen. So wird Neue Musik, die keine mehr ist, ins Repertoire eingebunden, als wär's ganz selbstverständlich.

 


La Vanguardia, 18.April 2007
(Jaume Radigales)


Como dicen que no hay mal que por bien no venga, la actuación de
Till Fellner en la temporada de Euroconcert fue sustituida, ante la
indisposición del pianista vienés, por otro joven instrumentista procedente
de la capital austriaca. Christopher Hinterhuber ostenta ya cierto
renombre y justificó su fama en un concierto bien diseñado y de indudable
atractivo a pesar de la escasa concurrencia de público.
La primera parte fue vienesa y se abrió con la ensoñadora Sonata op.
1 de Alban Berg, que anuncia los caminos de la atonalidad. Hinterhuber
demostró ser un pianista cálido y de exquisito fraseo, antes de abordar
con brío y tintes pararrománticos la Sonata en do menor KV 457 de Mozart, una de las páginas más virtuosísticas de cuantas escribiera para el piano el ilustre salzburgués en el contexto de sus años dorados en la capital imperial.
Los Cuadros de una exposición en su versión original ocuparon la
segunda parte en una sucesión progresiva de aciertos que culminaron con la grandiosidad de la Gran puerta de Kiev. En ocasiones, cierta opacidad
en las articulaciones parecía emborronar algo el discurso, aunque
Hinterhuber enderezó pronto los caminos que conducen a ese sinfonismo
pianístico con que culmina una de las grandes partituras de la Rusia del XIX.

 

Wiener Zeitung, 12.Oktober 2006

(Rainer Elstner )

Rares in neuer Balance

Alexander Zemlinskys Sonate für Violoncello und Klavier in a-Moll galt als verschollen. Zemlinsky-Forscher Antony Beaumont fand sie im Besitz der Erben von Friedrich Buxbaum, jenes Cellisten, für den sie geschrieben worden war. 112 Jahre nach der Uraufführung wurde das Werk nun von Othmar Müller und dem Pianisten Christopher Hinterhuber erstmals wieder interpretiert.

Für diese Aufgabe spielte sich Müller mit der Cello-Sonate op. 6 von Richard Strauss warm. Von großer Seriosität – nicht mehr, aber auch nicht weniger – war dann die Interpretation der Sonate für Klavier und Violoncello op. 38 von Brahms. Müllers Instrument klang samten und mollig wie italienische Trinkschokolade. Der Höhepunkt war Zemlinskys Sonate – auch interpretatorisch. Mit Ernsthaftigkeit vertieften sich die Partner in das Werk, das vielschichtigen Dialog fordert. Müller und Hinterhuber hatten hörbar gefeilt, zwischen Klavier und Cello stellte sich perfekte Balance ein, drängend und in großen Bögen wurde musiziert. Ein Ereignis.

 

Kleine Zeitung , 20.Juli 2006

Traumwandlerische Sicherheit

Christopher Hinterhuber am Mozart-Pfad des Carinthischen Sommers

OSSIACH. Einen Gang durch unterschiedliche Tonwelten erlebte das Publikum bei einem Konzert in der Stiftskirche, das neben klassischen Kernstücken auch Werke unserer Zeit in individueller Technik und Farbgebung auf dem Programm hatte.

Die Charakterstudie eines dem Komponisten befreundeten Ehepaares zeichnete Gottfried von Einem in der Sonate für Violincello und Klavier op. 76 auf brüchig gewordenem tonalen Boden. Orfeo Mendozzis Cello entwickelte das weibliche Prinzip in seiner gezielten Eloquenz, innigem Ton und bestrickend in den rasanten Läufen. Christopher Hinterhuber antwortete auf dem Klavier in grundsätzlich männlicher Tonsprache.

Mit der Bedrohung einer Katastrophe setzt sich Francis Burt in seinem Streichquartett Nr. 2 auseinander, das vom Hugo Wolf Quartett substantiell interpretiert wurde. Ein Beispiel, wie emotionelle Erlebnisse in die musikalische Abstraktion geführt werden können. Christopher Hinterhuber bestritt das Klavierkonzert F-Dur, KV 413 (387a) in der Streichquartett-Fassung mit dem Hugo Wolf Quartett in traumwandlerischer Sicherheit, heller als gewohnt im Ton, durchsichtiger in der Ausführung und schwebend im Larghetto.

Der Solist, ein gebürtiger Klagenfurter, ist ein absoluter Gewinn für den Carinthischen Sommer. Dies gilt auch für das Hugo Wolf Quartett, das im Rasumowsky-Quartett Nr. 2 von Beethoven die Spannung hielt und die Vorboten einer neuen Tonalität unterstrich. Starker Beifall, der auch den anwesenden Komponisten Francis Burt einschloss.  GW


CD: Carl Philipp Emanuel Bach: Sonaten und Rondos

 

RONDO, März 2006 (Carsten Niemann)

Seine Hände waren in dem Film "Die Klavierspielerin" zu sehen, doch verdient auch der ganze Künstler Christopher Hinterhuber längst eigenständige Bekanntheit. Aufhorchen lässt schon allein das anspruchsvolle Repertoire, das der 1973 geborene österreichische Pianist für seine jüngste CD-Produktion auswählte - schließlich ist Carl Philipp Emanuel Bach nicht ohne Grund einer der unter Pianisten unbeliebteste der großen Klavierkomponisten: Unbequem sitzt er zwischen den Stühlen der Epochen, zu emotional für ein abstrahierendes Spiel auf dem modernen Flügel und bei der Wiedergabe seiner durchsichtigen Texturen dann doch wieder überempfindlich auf jede Überbetonung reagierend. Hinterhuber jedoch hat einen überzeugenden eigenen Weg zum Originalgenie gefunden. Er nähert sich dem zweitältesten Bachsohn stilistisch von Domenico Scarlatti, anschlagstechnisch inspiriert von Cembalo und frühem Fortepiano. Wie der Tatzenhieb einer Raubkatze (kräftig und elegant) wirken die stets deutlich von einander separierten, oft rasend schnellen Töne. Hinterhuber phrasiert klar und trotz lauernden Temperaments fast ein wenig nüchtern, mit auffallend großer Aufmerksamkeit für die gerne übersehenen Basslinien; er lässt die Emotionen neben der Dezidiertheit des Anschlags vor allem durch kluge Kontraste sprechen: so zwischen sinnendem, leuchtenden Piano und kristallkaltem Forte und einer Fülle feiner Echowirkungen, oder der Gegenüberstellung von extrem schnellen Spielfiguren und sprechendem Gesang. Nicht unbedingt eine Charmeoffensive - aber ein aufregendes Fest für den fühlenden Geist.



FONO FORUM, Jänner 2006

(Attila Csampai)

Tasten-Experimente

Bachs zweitältester Sohn Carl Philipp Emanuel, der zunächst am Berliner Hof Friedrichs II. später am Hamburger Johanneum wirkte und zu Lebzeiten bekannter war als sein Vater, zählt heute noch immer zu den unterschätzten Meistern der hochkreativen Umbruchszeit zwischen Barock und Klassik - und dies trotz der zuletzt durch den Historismus geleisteten Aufklärungsarbeit. Der „Hamburger Bach" galt nicht nur als einer der führenden „Clavierspieler" seiner Zeit, sondern auch als einer der innovativsten Komponisten für die damaligen Tasteninstrumente Cembalo und Fortepiano: Sein Einfluss auf Haydn und Beethoven war immens, und er wurde von beiden auch sehr geachtet.

Welch unglaubliche Experimentierfreude und avantgardistischen Ideenreichtum Bach vor allein in seinen zahlreichen Klaviersonaten entwickelte, davon kündet jetzt in spannender und audiophiler Weise die für Naxos eingespielte Auswahl des jungen Österreichers Christopher Hinterhuber. Der Kehrer- und Berman-Schüler verwendet hierzu einen fantastisch getunten und präsent ausgesteuerten großen Steinway, der es ihm gestattet, die extremen dynamischen und emotionalen Kontraste von Bachs Sonatenwelt plastisch und praegnant herauszuarbeiten und so auch die intellektuellen Dimensionen dieser kühn in die Zukunft blickenden Musik tiefenscharf auszuleuch­ten -  so dass man nur staunt über Bachs experimentelle Radikalität und sich fragen muss, warum so viele Pianisten diesen genialischen musikalischen Extremisten noch immer links liegenlassen. Die unveröffentlichte späte C- Dur-Sonate (Wq 65/47) hätte -zumal in Hinterhuber abgefeimter Interpretation - selbst einen Glenn Gould aus der Fassung gebracht. Eines der besten, faszinierendsten. Klavieralben des Jahres 2005.

 


Musicweb International, März 2006
(Kevin Sutton)

Second son of Johann Sebastian Bach, court harpsichordist to Frederick the Great and godson of Georg Philipp Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach was destined for greatness. He began his career in law school but it was as a keyboard virtuoso and composer that the arguably most successful of the post-Sebastian generation of Bachs was to make his fame and fortune. The most broadly educated and intellectual of all of Sebastian’s children, Carl Philipp would gain great respect as a learned man, teacher and author. His Essay on the True Art of Clavier Playing was held in high esteem. His influence on the work of Franz Josef Haydn is unquestionable and blatantly obvious. Upon his death he was mourned by his colleagues as a more significant and important composer than his father.

It would be easy enough on first glance to dismiss the younger Bach as a composer of Rococo fluff, and frankly, having just now become acquainted with his music in anything other than name, I expected nothing less. My surprise and delight was enormous then when I popped this disc into the player to discover music of energetic and complex rhythmic vitality and startlingly original and adventuresome harmonic language. Bach’s preference for the newer clavichord over the more traditional plucked harpsichord is obvious from the start. This music employs a new kind of virtuosity, one that plays up its emotional and dramatic content, and is far more reliant on melody than counterpoint, which by the time of these works, was considered passé and academic.

The sonatas are as a rule cast in the fast-slow-fast three movement form that would dominate the genre until Beethoven. The outer movements are full of technical display, and yet never stray from their overall focus on melody. They are full of exciting and unexpected twists and turns, and Bach uses the entire range and scope of the instrument to express himself. Often we find long melodies beginning in the upper register, only to be completed by a two or three octave drop to the bass. The inner movements are lovely in their aria-like treatment.

The Rondos, although dismissed at their publication by some critics as needless filler and unworthy of inclusion with the more sophisticated sonatas, are brimming as well with interesting and exciting music. Brief and without wasted notes, they are little virtuoso showpieces that delight the ear.

Christopher Hinterhuber, performing here on a modern grand, is a pianist of formidable technique, able to handle fast passage-work with ease and aplomb. He plays just fast enough to give us the whirlwind spirit of the music without obliterating lines. His cantabile playing is admirable as well. I did find that, particularly in the upper registers, the playing gets a bit shrill and clanky. I would have wished for more subtlety, warmth and nuance of tone in the upper end of the piano. Nonetheless this is a small distraction, and I am thrilled that this splendidly crafted and colorful music has seen a bit more sunlight.

A definite must-own for lovers of fine keyboard music.


L'Express Toronto, Mai 2006
(Dominique Denis)

Carl Phillip Emmanuel Bach par-delà les siècles
Qu’elles soient interprétées au piano, au clavecin ou à l’orgue, les grandes pages pour clavier de Jean Sébastien Bach demeurent des monuments face auxquels l’interprète révèle ses forces et ses faiblesses, ses parti pris, voire sa philosophie de la musique. N’imposant pas une lecture aussi codifiée que le répertoire romantique, elles sont ouvertes à une multitude d’approches, et donc à la modernité (on n’a qu’à songer au fameux Switched-on Bach de Walter Carlos!)
Et ce qui est vrai de Bach père n’en est pas moins de sa progéniture, notamment Carl Phillip Emmanuel Bach (1714-1788), le plus célèbre et prolifique de ses enfants. Enregistrées par le jeune pianiste autrichien Christopher Hinterhuber, les Sonatas & Rondos (Naxos) semblent nées d’une volonté d’élargir la palette harmonique de son temps, de jouer avec audace sur les changements de tempo et d’atmosphère, tout en élaborant sur le complexe dialogue contrapuntique auquel on reconnaissait l’écriture paternelle.
Faisant éclater les conventions du Baroque, ses sonates donnent parfois l’impression de vouloir faire un gigantesque bond vers l’avant, sautant par-dessus le XIXe siècle pour venir s’installer dans le XXe. Dans ce sens, c’est comme si elles avaient été écrites dans l’anticipation du piano moderne, un instrument plus apte à en négocier les virages abrupts et à en maximiser les effets de contraste. S’il ne possède pas la précision chirurgicale d’un Glenn Gould (ou, parmi ses contemporains, de Cédric Pescia), le jeune pianiste autrichien Christopher Hinterhuber attaque ces quatre sonates et deux rondos de CPE Bach avec un alliage de rigueur et d’abandon, reflétant dans son jeu le même plaisir que le compositeur eut de toute évidence lors de -l’écriture.
Parue sur étiquette Naxos (et donc à prix d’ami), cette généreuse collection constitue une introduction plus qu’honnête à une œuvre qui n’a pas fini d’étonner les interprètes et, par extension, les mélomanes d’aujourd’hui.

 

RITMO - März 2006

Naxos lanza un nuevo disco dedicado a la música para teclado del segundo de los hijos de Bach, Carl Philipp Emanuel, dedicado en esta ocasión a varias sonatas y rondas. Christopher Hinterhuber consigue un interesante equilibrio al abordar estas obras: por un lado, es consciente de las capacidades expresivas del piano moderno y las aprovecha con criterio; por otro, no olvida que algunas de las obras fueron escritas para clave, y áplica  a la música una articulación que recuerda al mismo y que se acerca a la manera de tocar de la época. El pianista austriaco combina, a su vez, un alto grado de virtuosismo con la intensidad expresivo propia del "estilo sentimenlal" de CP.E. Bach, lo que confiere a las sonatas un carácter especial. Otros factores que también contribuyen de forma importante  al resultado final son  el tiempo adecuado, la correcta dicción musical y el tratamiento de la dinámica. Todo ello hace que la escucha de osla m­sica que mira a Haydn y Mozart sea amena e Interesante.

 

CD: Ferdinand Ries: Klavierkonzerte Vol I, Naxos CD, erschienen bei NAXOS 2005

FONO FORUM, Februar 2006
(Andreas Friesenhagen)

Neue Attraktionen

Die Ries-Edition von CPO sorgt schon seit Jahren für Überraschungen: glänzende Symphonien, prächtige Kammermusik hat sie zu Tage gefördert. Nichts bleibt vom alten Vorurteil des blassen Beethoven-Epigonen. Mehr Ries kommt jetzt von Naxos. Zwei attraktive Klavierkonzerte, die den Startschuss zur ersten Gesamteinspielung aller acht Riesschen Konzerte geben.

Das Konzert in C-Dur Op.123 (1806) ist ein majestätisches, wahrhaft großes Konzert im ausgereiften klassischen Stil.  Es hält für den Pianisten viele Möglichkeiten zur Darstellung seiner Virtuosität bereit: rauschende Akkordfolgen, Oktavketten, große Intervallsprünge, blühendes Rankenwerk – Angebote, die der junge Christopher Hinterhuber hörbar freudig annimmt und in ein pianistisches Feuerwerk verwandelt. Wie er in der Reprise des ersten Satzes in ein beschauliches Holzbläser-Solo fährt ist bezeichnend für seinen impulsiven Stil.  Auch im langsamen Satz ist unter der sanften Oberfläche  stets sein Temperament zu spüren, das sich bisweilen in wohldosierten Ausbrüchen Luft macht. Das 1826 entstandene Konzert Op. 151c mit dem schönen Beinamen „Gruß an den Rhein“ führt in eine andere Welt:  Frühromantisches bricht sich Bahn zu Chopin ist nicht mehr weit. Das gesangliche, schwelgerische Thema des ersten Satzes könnte glatt als Sinnbild der Rhein-Romantik durchgehen.
Pianist und Dirigent belassen es jedoch nicht beim Bad der Sentimentalität, sondern geben der Musik erfreulich klare Konturen. In diesem Konzert ist Hinterhuber deutlich weniger Tastenlöwe, er spürt vielmehr erfolgreich dem lyrischen Potential dieses charmanten Werkes nach.

 

 

PIANONEWS, Februar 2006

(Mátyás Kiss)

Während sich das Raritäten-Label cpo seit Jahren der Sinfonien und der Kammermusik Ries' annimmt, stand eine CD-Produktion der immerhin acht zum eigenen Gebrauch geschriebenen Klavierkonzerte bislang aus - eine unverständliche Vernachlässigung dieser Werkgruppe, wenn man bedenkt, dass wir es mit den bedeutendsten Klavierkonzerten neben Hummel zu tun haben, denen aus den berufenen Händen Howard Shelleys schon seit geraumer Zeit späte Gerechtigkeit widerfährt. Mit Christopher Hinterhuber nun hat Naxos für dieses wichtige Projekt einen Interpreten gewonnen, der durch seine gelungene Identifikation mit dem „empfindsamen Stil" C. Ph. E. Bachs einiges Lob einheimsen konnte; der aus Deutschland stammende Uwe Grodd hat an der Spitze des Neuseeländischen Symphonieorchesters zuvor mit einer interessanten Reihe klassischer Raritäten von sich hören lassen. Hinterhuber und Grodd bilden somit für Ries (1784-838) ein ideales Team. Das C-Dur-Werk entstand im unmittelbaren Anschluss an seine Studien bei Beethoven und verweist durch die Tonart zwar auf dessen op. 15, der Klaviersatz aber zeigt sich mehr mit Hummel verwandt. Damit soll kein Qualitätsurteil gefällt werden: Vor allem der Kehraus zeichnet sich durch eine überschäumende, von Hinterhuber mit Gusto ausgekostete Spielfreude aus. 20 Jahre später war Ries nach seinen Londoner Jahren in die Heimat zurückgekehrt; von Bad Godesberg aus entbot er seinen musikalischen „Gruß an den Rhein": Der formale Aufbau und die Ausdehnung folgen noch immer dem Beethoven'schen Vorbild, während das knappe, aber überaus poetische „Larghetto" bereits Chopin ankündigt. Welch mitreißender Start dieser Serie!

 

GRAMOPHONE, January 2006

(Jeremy Nicholas)

Remembered as the pupil, amanuensis, friend and biographer of Beethoven, Ferdinand Ries (1784-1838) as a composer has suffered the familiar fate of being entirely dismissed because he did not happen to be a genius. That admitted, he is learly his own rnan. Neither of these works has much to do with Beethoven beyond the obvious references in the orchestral timbre of the earlier (1806) C major Concerto and the odd phrase lifted (tongue-in-cheek?) from his master. The character of the material and the way in which Ries writes for the keyboard has far more in common with Field, Clementi and Hummel. There are clear parallels between the latter and Ries in the high-spirited A flat Concerto of 1826 (its subtitle refers to Ries's homeland, to which he returned in 1824 after a lengthy sojourn in London).

Much of the credit for this recording's success is due to the verve and conviction of the soloist, whom I had not encountered before: Austrian-born and a pupil of Lazar Berman, among others.  If Howard Shelley is the current undisputed master in this ind of repertoire, Hinterhuber comes not far behind. The New Zealanders provide keen and sympathetic support under Grodd and the recorded balance is exemplary.

This distinguished release is completed by the booklet from Allan Badley, who also provided the performing edition of these delightful concertos. If these two world-premiere recordings are anything to go by, the complete Ries for piano and orchestra promised by Naxos will be a most welcome addition to the catalogue.

 

Musicweb International, January 2006

(Colin Clarke)

An hour of sheer delight here.  Ferdinand Ries is probably best known for his associations with Beethoven. Here is an opportunity to hear how he sounds on his own two compositional feet in two world premiere recordings.

And excellent they are, too. Christopher Hinterhuber is a pupil of Lazar Berman, and something of his mentor's facility has obviously rubbed off. Scores which are presumably often black with semiquavers clearly are bread and water to this pianist. The 'Gruss an den Rhein' concerto (first on the disc; second in the booklet notes) was composed at Bad Godesberg. Ries grew up in the area of the Rhine, and something of that river's unhurried majesty is conveyed in the first movement. The orchestra's opening is warm and very, very welcoming, for example. Hinterhuber revels in the sparkling piano writing, often very close to Chopin in its filigree.

The slow movement (Larghetto con moto) is only five minutes long but is a lovely Nocturne that reveals the warmth carried by the recording. The finale is prefaced by a cadenza; dazzling fingerwork here. When it arrives properly, this last movement is as jolly as they come. To its credit, the New Zealand orchestra manages to sound involved throughout; no easy task surely in works that are clearly designed as pianistic showcases.

The C major Concerto, Op. 123 seems closer to Hummel than Chopin, with liberal dollops of Beethoven along the way. The first movement is a dramatic entity, with Ries surely trying a couple of things along the way. The recording in this case seems particularly well-balanced in forte, opening out nicely. There is much fantasy here too; only the cadenza tends towards the weak.

The long and restful 'Larghetto quasi andante' includes a lovely clarinet solo and a dark central section before the sparkling rondo-finale - quite suave at times - rounds off a most enjoyable disc. When the orchestra opts to add a 'raw' edge, it is as if it is nodding in the direction of the 'authentic'. A nice touch.

An excellent disc. One of the beauties of Naxos is that one can experiment with rare repertoire at low cost. Here that cost is certainly justified.




Schumann, Konzert a-moll mit der Real Filarmonica Galicia 23.2.2006

Mundoclasico, 24.2.2006

El austríaco Christopher  Hinterhuber (Klagenfurt, 1973) parece en su aspecto aún más joven de lo que es, pero su forma de tocar evidencia una madurez preclara. Por su repertorio, los premios ganados y las grabaciones, sabemos que le tira el período clásico, y eso se nota en una lectura del Concierto de Schumann sin complicaciones y sin exageraciones: digitación clara, toque serio aunque no demasiado poderoso, fraseo alejado de cualquier afectación, y comunión con la orquesta para compartir el concepto ágil y vivo que Juanjo Mena se encargó de impartir. Hinterhuber se llevó fuertes aplausos del escaso público asistente, al que correspondió con una propina también schumanniana.


Mendelssohn Nr.1 mit Mozarteum-Orchester/Vladar, 24.11.2005


Drehpunkt Kultur Salzburg, 25.11.2005

(Heidemarie Klabacher)

Elfen, Schwäne stellt euch ein

Das Mozarteum Orchester Salzburg bestach unter Stefan Vladar mit klangsinnlichem federleichtem Mendelssohn
"Mendelssohn vom Feinsten" präsentierte das Mozarteum Orchester Salzburg in seinem Zykluskonzert im Großen des Mozarteums. So fein und differenziert wurde musiziert, dass selbst in den "romantischsten" Augenblicken beinahe "klassische" Klarheit spürbar blieb. Stefan Vladar ist kurzfristig für den erkrankten Hubert Soudant "eingesprungen" - hätte man's nicht gewusst, wäre man nicht auf die Idee gekommen: So stimmig und so konsequent "leichtfüßig" war dieses Konzert, so zündend sprang der Funke zwischen Musikern und Dirigenten. Temperamentvoll stürzte sich Christopher Hinterhuber, der Solist im Klavierkonzert g-Moll op. 25 in die Klangkaskaden: Rasende, brillante Läufe und klanglich fein modulierte Kantilene, heftige Attacke und gefühlvolles Aufeinander eingehen zeichneten diese mitreißende Wiedergabe aus. Zum Schwärmen schön war der Dialog mit den tiefen Streichern und der Soloklarinette im Andante. Christopher Hinterhuber ließ sich vom Bravour- zu so manchem Virtuosenstück inspirieren, verschloss sich aber jeder effekthascherischen Geste. Das hinreißende Presto wirkte manchmal fast wie ein Schlager der Comedian Harmonists. Die vielen wechselnden Stimmungen wurden in ebenso vielen verschiedene Klangfarben gemalt und jeweils zum Heiteren, Melancholischen oder Heroischen abgetönt .

Mendelssohn-Bartholdys "Sehnsucht nach dem Süden" hat sich in Grenzen gehalten, das haben das Mozarteum Orchester Salzburg und Stefan Vladar einmal mehr deutlich gemacht. Wohl entführten sie, hinreißend tänzerisch und musikantisch, mit dem ersten Satz der "Italienischen" in temperamentvolle Gefielde. Aber so fein, wie das Andante, mit dem "urdeutschen" Motiv musiziert wurde, glaubte man doch klar zu spüren, wo das Herz des Komponisten schlug. Wie schon der langsame Satz im Klavierkonzert war auch hier das Andante eine schier unendlich große Palette feinster Klangschattierungen.